Über uns

Initiative Solidarity: Studierende helfen Flüchtlingen

Clausthal-Zellerfeld. Es gibt viel zu tun. Dutzende Säcke und Tüten mit Kleidung sind gespendet worden, nun muss alles gesichtet, sortiert und registriert werden. Die Initiative „Solidarity“ – von Clausthaler Studierenden ins Leben gerufen – ist aktiv, damit sie die im Landkreis Goslar eingetroffenen Flüchtlinge versorgen kann: mit Pullovern, Hosen, Jacken, Schuhen, Spielzeug und vielem mehr. 

„Die Spendenbereitschaft ist groß“, freut sich Björn Krause. Gerade hat er seinen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der TU Clausthal gemacht. Die Semesterferien stehen derzeit aber weniger im Zeichen des Studiums, als vielmehr im Zeichen der Hilfsbereitschaft. „Wir möchten mit gutem Beispiel vorangehen, Verantwortung übernehmen und möglichst viele Menschen in unserer manchmal etwas eingefahrenen Gesellschaft mitreißen“, nennt der gebürtige Oberharzer die Beweggründe. Inzwischen engagieren sich rund 20 junge Menschen, insbesondere Studierende, in der gemeinnützigen Organisation „Solidarity“.

Den Auslöser für das Hilfsprojekt hatte vor einigen Monaten eine Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer geliefert. Wieder einmal war ein überfülltes Boot gekentert. Der Tenor unter den Studierenden: Es muss etwas getan werden, einerseits in den Krisengebieten, andererseits bei der Unterstützung von Bedürftigen hierzulande. Also starteten sie „Solidarity“,  eine organisierte, strukturierte und innovative Spendenakquise. 

Das Konzept ist schlüssig: Kleidung, Möbel oder Spielzeug werden eingesammelt, aufgearbeitet und dann Bedürftigen zur Verfügung gestellt. Die Koordination der Güterströme wird über eine Online-Datenbank gesteuert, die von Informatik-Studierenden der TU programmiert wurde. Produktion, Aufbereitung und Logistikmanagement befinden sich in den Händen von Studierenden der Ingenieurwissenschaften. Dabei sollen Flüchtlinge in den Aufarbeitungsprozess eingebunden werden, damit sie sich in die Gesellschaft integrieren. Marketing, PR und Kundenbetreuung übernehmen Studenten der Wirtschaftswissenschaften.

Als am 21. September 259 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak im Clausthaler-Zellerfelder Nachbarort Hahnenklee ankamen, brachte sich „Solidarity“ sofort ein. „Über die Islamische Studentengemeinschaft an der TU Clausthal haben wir Dolmetscher mobilisiert, das hat gut geklappt“, berichtet Frederik Brauer, der auch in Hahnenklee war: „Die Menschen haben eine harte Zeit hinter sich. Ich habe zum Beispiel drei Brüder kennen gelernt, der Älteste gerade volljährig. Der Vater – die Mutter war verstorben – hatte den drei Söhnen sein ganzes Geld gegeben, damit sie nach Europa können. Für den Vater selbst hat das Geld nicht mehr gereicht.“

Die Schicksale berühren. Um effektiv helfen zu können, arbeitet „Solidarity“ mit der Oberharzer Bevölkerung und Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz und der Arbeiterwohlfahrt zusammen. Nachdem Björn Krause das Projekt im Rat der Stadt vorgestellt hatte, organisierte Bürgermeisterin Britta Schweigel im Bürgerbüro einen Raum. Dort werden die Spenden aufbewahrt. „Außer für Flüchtlinge werden wir uns auch für deutsche Bedürftige einsetzen“, sagt Frederik Brauer. Das Zimmer im Bürgerbüro sei ein Anfang, angesichts der Spendenbereitschaft und um Gegenstände aufzuarbeiten, benötige die Initiative aber künftig mehr Platz. Neben Sachspenden kann das Solidarity-Team auch finanzielle Unterstützung gebrauchen, um die Betriebskosten zu decken. Weitere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite der Organisation.